Das Ende

3 Tage bleiben bis zu meiner Abreise aus Russland. 2 Nächte in dem Bett, das für 10 Monate MEIN Bett war. Wenige Stunden mit den Menschen, die ich meine Familie nennen durfte. Von vielen habe ich mich schon verabschiedet, vieles habe ich schon zum letzten Mal gemacht. Ich bin zum letzten Mal in der Banya, zum letzten Mal in der Schule, zum letzten Mal in einem russischen Bus gewesen.

Den ganzen Juni über war ich sehr beschäftigt, wir hatten die letzte AFS-orientation, wir sind nach Sankt Petersburg gefahren, gestern war die Zeugnisvergabe an meine Klassenkameraden, wo auch ich ein Zertifikat bekam.

Es ist schwierig zu beschreiben, wie ich mich in diesen letzten Tagen fühle. Einerseits freue ich mich unendlich auf Zuhause, schaue, wie das Wetter wird, welches Essen es in der Schule geben wird, suche meine deutsche Sim-Karte und mache Pläne. Andererseits wache ich morgens manchmal auf und würde mir am liebsten die Decke wieder über den Kopf ziehen, damit die Zeit noch für eine Weile stehen bleibt. Ich fühle mich mehr als bereit für die Rückkehr und doch auch wieder nicht. In Deutschland wartet ein Leben auf mich, in das ich nicht mehr passe. Hier verlasse ich ein Leben, das ich niemals versucht habe, passend zu machen, weil ich wusste, dass es nur auf Dauer ist.

Ich werde Russland nicht vermissen. Meine Gastfamilie, ja, ganz sicher meine Austauschschüler-Freunde und am allermeisten das Gefühl, etwas zu erleben. Mein Austauschjahr war nicht immer aufregend, war nur selten so, wie ich es mir erträumt habe und an vielen Tagen auch einfach ganz normal. Dennoch habe ich ein Abenteuer erlebt. Ich habe mich aus meiner gewohnten Umgebung getraut, um neues kennen zulernen und das war, weiß Gott, nicht immer einfach.

Das vergangene Jahr war großartig. Nicht, weil es nur aus perfekten Momenten bestand, oder weil es zu jedem Zeitpunkt etwas aufregendes für mich bereit hielt. Die kleinen Freuden, die vielen Tränen, die erfüllten Träume, die neuen Bekanntschaften, die unverhofften Gelegenheiten und die dunklen, lehrreichen Stunden, machten es zu diesem unvergesslichen Erlebnis.

Es gibt nichts was ich bereue, auch wenn vieles hätte anders sein können. Ich stehe am Ende, mir gefällt, wie alles ist. Warum sollte ich mich über den Weg ärgern, der mich hierhin geführt hat?

Die Rückkehr nach Deutschland ist nicht nur ein Ende, sondern auch ein Neubeginn, so abgedroschen das auch klingen mag. Ich würde gern vor all den Abschiedstränen davonlaufen, jetzt einfach ins Flugzeug steigen und  alles vorbei sein lassen. Da das unmöglich ist, werde ich versuchen, die letzten Stunden in Russland so intensiv zu spüren, wie nur irgend möglich.

Hätte ich anstelle dieser 300 Worte nur einen Satz schreiben dürfen, dann ist es dieser, er sagt alles wichtige:

Ich bin unglaublich dankbar. 


Es tut mir leid, dass diesen Monat kein Update kam, ich werde es vielleicht nachtragen, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Ich möchte euch noch die Worte einer anderen Austauschschülerin ans Herz legen, die sehr gut vermitteln, wie wir uns fühlen, am Ende eines großartigen Jahres. Hier lesen.

„Everything will be all right in the end. If it’s not all right, then it’s not the end.“

A few months ago I wanted to upload the following report about being an exchange student. But luckily I didn´t. Today I read the text again and wrote a comment, from my actual point of view only some months later. I hope you enjoy reading this and if you´re an exchange student, too, it would really interest me, if you´ve made a similar experience or can add something, so write it in the comments! 🙂

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Du machst mich froh

Das hab ich heute entdeckt. Du hast schöne Worte gefunden, für die unbeschreibliche Moskauer Metro!

5+10M Russland

Du ungeheures System.
Kaum im Ganzen zu fassen: riesig,
mit deinen Dimensionen einmalig weltweit,
mehr als dreihundert Kilometer lang
Metall, Röhren, Beton, Marmor, Elektronik –
Menschen,
die sich über- und untereinander, Kurven schlängelnd,
und in Kreuzungen überschneidend,
durch den Raum bewegen.

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Ein besonderes Weihnachten in einem besonderen Jahr

Ich hatte den Text über Weihnachten und wie ich es verbracht habe schon fertig, aber dann – entschied ich, dass er zu ausgekotzt klingt und ich über das ganze sowieso besser nichts sagen sollte. Nur so viel: es war einmalig und soll bitte auch so bleiben!

Wie einige vielleicht wissen, bin ich vom 23.-25. Dezember in Kostroma gewesen und habe dort mit einigen anderen Austauschschülern Weihnachten gefeiert und dabei ist auch dieses herrliche Video entstanden, dass ich euch auf keinen Fall vorenthalten wollte 🙂

Jetzt aber: Weiterlesen